Jusos Nordfriesland

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Was zählt ist die Solidarität

Veröffentlicht am 10.04.2012, 20:50 Uhr     Druckversion

Ein Artikel zu dem schrecklichen Vorfall mitten in Meldorf.

In der letzten Woche gab es zwei Brandanschläge auf die „Dönerstube“ in Meldorf. Beim zweiten Anschlag wurde das Feuer mit einem Strohballen verstärkt und zerstörte die Tür des Lokals.
Anwohner_innen riefen Polizei und Feuerwehr und weckten die Familie, der das Restaurant gehört. So konnte das Schlimmste verhindert werden. Die Täter_innen sind noch unbekannt, die Ermittlungen laufen noch. Ob die Anschläge rassistisch motiviert waren, ist auch noch nicht sicher.

Klar ist aber, dass wir Jusos sowas nicht einfach hinnehmen wollen und können.

Denn es handelt sich dabei nicht nur um einen Angriff auf die „Dönerstube“. Es ist ein Angriff auf unsere Demokratie, auf die Freiheit und damit auch auf jede und jeden von uns.

Demokratie bedeutet für uns Mitbestimmung, Teilhabe und Rückhalt. Um diese anzugreifen, braucht man keine gut geplanten Angriffe. Dafür haben in Meldorf schon brennende Strohballen gereicht.

Die Besitzer_innen der „Dönerstube“ müssen nun mit der Angst vor weiteren Anschlägen leben. Angst nimmt uns die Freiheit, selbstbestimmt zu leben. Genau diese Freiheit macht unser Leben aber aus und wir müssen alle gemeinsam aufstehen, um für unsere Freiheit einzustehen.

Man kann sich nicht vorstellen, wie groß die Angst sein muss, dass ein weiterer Anschlag folgen könnte. Solange die Taten nicht geklärt sind, wird niemand zum gewohnten Tagesablauf übergehen können.

Umso schöner war das Zeichen, das gestern, am Ostermontag, gesetzt wurde. Die Anwohner_innen der Zingelstraße, wo auch die „Dönerstube“ ist, riefen zu einer Mahnwache auf. Diese wurde Samstag Abend angekündigt, niemand hatte mit allzu vielen Menschen gerechnet. Und trotzdem kamen fast neunzig Menschen an dem Abend auf den Südermarkt in Meldorf, um gemeinsam zur „Dönerstube“ zu gehen. Dort ergriffen einige Bürger_innen das Wort. Auch die Jusos Dithmarschen beteiligten sich zahlreich an der Mahnwache. Für uns sprach Merle Stöver ,stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos SH, und erklärte sich solidarisch der Familie des Inhabers. Wir setzten ein großartiges Zeichen.

Solche Angriffe wollen wir nicht einfach so hinnehmen! Die Zeiten, in denen man die Augen verschließen konnte und das Geschehene den Opfern der Anschläge, wie im Falle der "Dönermorde" des NSU, in die Schuhe schieben konnte, sind endgültig vorbei.

Es macht uns traurig, wie blind viele zu sein scheinen. Vor nicht langer Zeit kamen immer wieder neue Details der Mordserie des NSU ans Licht. Und immer wieder waren alle schockiert – “was, Nazis? Die gibt’s hier doch gar nicht!” Es war scheinbar wirklich angenehmer, von „Döner-Morden“ zu sprechen und die Schuld den Opfern und Angehörigen in die Schuhe zu schieben. Wer wagt es auch schon, nachzuhaken.

Mittlerweile hat man eingesehen, dass wir sehr wohl doch ein Problem mit Rechtsextremismus haben. Es wurde ein Untersuchungsausschuss ins Leben gerufen und die Mordserie wird genau beleuchtet. Und trotzdem wurde ich vor der Mahnwache mehrfach angesprochen, warum man denn eine Mahnwache veranstalte. Es könne ja schließlich auch sein, dass die Taten keinen rassistischen Hintergrund hätten. Aber: Zufall war es auch nicht! Das ist spätestens seit dem zweiten Angriff offensichtlich. Egal, ob diese Taten rassistisch motiviert waren – was jetzt zählt, ist die Solidarität, die wir zeigen. Wahrscheinlich ist Solidarität in dieser Zeit das wichtigste.

Homepage: Jusos Dithmarschen


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